Ergebnisse der Bildungsreform

Ergebnisse der Bildungsreform

„Im Vordergrund der Verhandlungen stand Macht und nicht das Interesse der Schülerinnen und Schüler.“

 – Bundesobmann Philipp Kappler

 

Kindergarten

Die Bildungsreform bringt ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr. Jedes Kind durchläuft mit 3,5 Jahren eine Art Screening für den sogenannten Bildungskompass, im Zuge dessen sprachliche und pädagogische Entwicklung aber auch Talente und Interessen aufgezeichnet werden. Spricht ein Kind beispielsweise nur sehr schlecht Deutsch, so muss es zwei Jahre in den Kindergarten gehen. Sollte ein Kind von der Entwicklung her keinen Aufholbedarf benötigen, so ist es den Eltern überlassen, das Kind entweder in den Kindergarten zu schicken oder noch ein Jahr zuhause zu lassen.

 

Volksschule

Der Bildungskompass wird von Kindergartenpädagogen online den neuen Volksschullehrern übergeben, damit die Interessen, Talente, Begabungen, Stärken und Schwächen nicht verloren gehen. Auch ist es möglich, jahrgangsübergreifend den Interessen der Schülerinnen und Schülern entsprechend, zu unterrichten. Für Schülerinnen und Schüler, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind, um dem Unterricht zu folgen, gibt es eigene Deutschstartkurse. Die Kinder werden, neben den Aktivitäten in der Stammklasse, für die kaum Deutschkenntnisse notwendig sind (Sport, kreative Fächer, Englisch, etc.), in eigenen Klassen gefördert.

 

Autonomie

Schulautonomie kommt in personellen, organisatorischen, pädagogischen und finanziellen Angelegenheiten. Die Direktoren können zukünftige Lehrpersonen ablehnen, bestehende jedoch nicht kündigen. Die Schulen können künftig auch im Ausmaß von bis zu 33% in der

Sekundarstufe 1, 20% in der Sekundarstufe 2 und 5% in der Volksschule autonome Schwerpunkte setzen. Einzelne Schulstandorte werden zu Schulcluster zusammengelegt, um Synergien zu nutzen und gemeinsam voneinander zu profitieren. Schulen können in Zukunft auch entscheiden, von wann bis wann sie öffnen. Im Rahmen von 07:00 bis 19:00 können die Schulen öffnen. Direktoren können künftig auch 5% ihres Lehrpersonals in Supportpersonal umwandeln. Direktoren sollen künftig nur mehr auf 5 Jahre, mit der Option auf Verlängerung, bestellt und dann auf erreichte Standards überprüft werden.

 

Bildungsdirektionen anstatt Landesschulräten

Die neuen Bildungsdirektionen sollen alle Aufgaben eines Landesschulrates innehaben. Die Unterschiede sind beim Personal zu erkennen. So werden Kollegien, der amtsführende Präsident und der Vizepräsident abgeschafft. Die Leitung einer Bildungsdirektion soll von einem Bundesbediensteten, auf Vorschlag des Landeshauptmannes, übernommen werden.

Gesamtschule in Modellregionen

Künftig soll es höchstens 15% der Schulen in einem Bundesland möglich sein, eine Gesamtschul- Modellregion zu bilden. So sollen 15% aller Volksschulen, 15% aller NMS und 15% aller AHS- Unterstufen sich zu Gesamtschulen zusammentun sowie höchstens 15% der Schüler eines Bundeslands diese besuchen. Die Zustimmung der Schulpartner soll in Zukunft nicht mehr notwendig sein, da diese durch einen Nationalrats-Beschluss ausgehebelt werden sollen. Eine Modellregion darf nur Teile und nicht ein ganzes Bundesland umfassen. Die erstmalige Evaluierung des Projekts soll 2025 stattfinden.


Digitalisierung

Bis 2020 sollen alle Schulen über einen High-Speed-Internet-Anschluss verfügen. Es soll auch eine Bildungsstiftung errichtet werden, die besonders innovative und auf Technik gestützte Lehrmethoden und Projekte an Schulen finanziell unterstützen soll. Eine internationale Jury soll dann die besten Projekte auswählen und die Schulen bekommen direkt ohne weiteren bürokratischen Aufwand Geld zur Umsetzung.

„Ich sehe die Ergebnisse zweigeteilt. Einerseits gibt es sehr gute Ansätze im Bereich der Schulautonomie oder der Elementarpädagogik. Andererseits habe ich das Gefühl, dass im Vordergrund der Verhandlungen nicht das Wohl der Jugend, sondern Machterhaltung stand. Das zeigt sich unter anderem bei der Bereitschaft der Ministerin Heinisch-Hosek, die Schulpartner einzubinden!“, zeigt sich Kappler von der fehlenden Einbindung von Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter enttäuscht.

Die Gesamtschul-Modellregionen, die im Zuge der Bildungsreform präsentiert wurden, deuten klar auf eine Debatte hin, die nicht auf die Interessen der Schülerschaft ausgelegt war. Sehr positiv sehe ich aber den Verhandlungserfolg, dass trotz der Gesamtschul-Modellregionen das Gymnasium weiterhin bestehen bleibt. Wichtig ist die bestehenbleibende Wahlfreiheit für Schülerinnen und Schüler, ob sie eine Gesamtschule besuchen wollen oder nicht.